Von der Stärke zur Passion
Charakterstärken: Der Schlüssel zu Sinn und Erfüllung
Chris Peterson, ein Pionier der Positiven Psychologie, stellte einst eine einfache, aber kraftvolle Frage in den Raum: Was macht ein gutes Leben aus? Seine Antwort führte zu einer neuen Perspektive auf unser Potenzial: unsere Charakterstärken. Anders als Fähigkeiten oder Talente, die erlernt oder perfektioniert werden können, sind Charakterstärken jene Eigenschaften, die tief in uns verankert sind. Diese Stärken sind nicht einfach Talente, sondern Eigenschaften, die uns helfen, ein erfülltes, sinnvolles Leben zu führen. Sie basieren auf dem sogenannten VIA Classification of Strengths, einem Modell, das 24 universelle Stärken wie Kreativität, Mut, Freundlichkeit, Neugier und Liebe zum Lernen umfasst.
Diese Stärken sind unser innerer Kompass. Sie leiten uns durch Herausforderungen, verleihen unserem Tun Sinn und helfen uns, authentisch zu leben. Doch ihr wahres Potenzial zeigt sich erst, wenn wir sie bewusst nutzen – nicht nur, um zu funktionieren, sondern um zu wachsen und zu strahlen.
Wie Neugier und Liebe zum Lernen meine Welt veränderten
Als Psychologe und Coach arbeite ich tagtäglich mit Menschen daran, ihre Stärken zu entdecken und bewusst einzusetzen. Doch auch ich habe diesen Prozess selbst durchlebt – insbesondere, als ich die Fotografie für mich entdeckte.
Lange Zeit war mir nicht bewusst, dass ich meine Liebe zum Lernen und meine Neugier bereits in vielen Lebensbereichen nutzte. Doch es war die Fotografie, die mir zeigte, wie kraftvoll diese beiden Stärken wirklich sind, wenn sie eine klare Richtung bekommen.
Die ersten Berührungspunkte mit der Kamera waren geprägt von Experimentieren und Staunen. Es war wie ein Rätsel, das darauf wartete, gelöst zu werden: Wie erschaffe ich Bilder, die Emotionen wecken? Wie fange ich den richtigen Moment ein? Und warum sieht die Welt durch ein Objektiv plötzlich so anders aus?
Was mich zunächst antrieb, war reine Neugier – die Freude, Neues zu entdecken. Wie fange ich ein Motiv ein? Wie spiele ich mit Licht und Schatten? Doch je mehr ich mich damit beschäftigte, desto mehr faszinierte mich dieser Prozess. Durch meine Liebe zum Lernen habe ich mich tief in die Materie eingearbeitet – von der Technik der Kamera bis hin zur Kunst der Bildkomposition. Doch je mehr ich lernte, desto stärker wurde meine Leidenschaft. Die Fotografie war nicht nur eine neue Fertigkeit, die ich erlernte; sie wurde ein Ausdruck meiner Persönlichkeit. Meine Liebe zum Lernen führte mich in technische Details und kreative Herausforderungen, während meine Neugier mich dazu brachte, die Welt aus neuen Perspektiven zu betrachten.
Heute ist die Fotografie für mich mehr als nur ein Hobby. Sie ist ein Raum, in dem ich mich mit der Welt verbinde, Dankbarkeit empfinde und innehalte. Durch den Sucher meiner Kamera entdecke ich kleine Wunder – ein Sonnenstrahl, der ein Gesicht berührt, eine unerwartete Reflexion, ein kurzer, echter Moment zwischen Menschen. Diese Erlebnisse sind für mich nicht nur Bilder, sondern Quellen positiver Emotionen, die mein Leben bereichern.
Die Kraft der Bilder in meiner Praxis
Als Psychologe und Coach weiß ich, wie wichtig es ist, eine Umgebung zu schaffen, die positive Emotionen fördert. Deshalb habe ich meine Fotografie nicht nur für mich entdeckt, sondern auch einen Weg gefunden, sie in meine Arbeit zu integrieren. Die Bilder, die ich auf meinen Reisen oder in besonderen Momenten aufnehme, schmücken heute die Wände meiner Praxis.
Jedes Foto erzählt eine Geschichte. Sie zeigen nicht nur schöne Landschaften oder eindrucksvolle Details, sondern sollen auch Emotionen wie Freude, Staunen oder Ehrfurcht wecken. Es ist faszinierend zu beobachten, wie diese Bilder oft Gespräche anregen oder ein Gefühl von Ruhe und Inspiration vermitteln.
Die bewusste Nutzung meiner Stärken hat mich nicht nur zu einer neuen Passion geführt, sondern mir auch gezeigt, wie kraftvoll sie im beruflichen Kontext sein können. Denn am Ende des Tages geht es darum, durch kleine Impulse – sei es ein Bild, ein Gespräch oder ein positiver Gedanke – das Leben ein wenig heller zu machen.
Chris Petersons Idee, dass unser Wachstum in unseren Stärken liegt, spiegelt sich in jedem dieser Momente wider. Und vielleicht liegt genau darin die wahre Kunst: die Schönheit des Lebens zu entdecken und sie mit anderen zu teilen.
Hier eine kleine Auswahl meiner Lieblingsbilder
Fachliteratur zur Positiven Psychologie & Charakterstärken
Peterson, C., & Seligman, M. E. P. (2004). Character Strengths and Virtues: A Handbook and Classification.Oxford University Press.
→ Das Standardwerk zur Klassifikation der 24 Charakterstärken.Seligman, M. E. P. (2011). Flourish: A Visionary New Understanding of Happiness and Well-Being. Free Press.
→ Einführung in das PERMA-Modell und die Rolle von Charakterstärken für ein erfülltes Leben.Niemiec, R. M. (2018). The Power of Character Strengths: Appreciate and Ignite Your Positive Personality. VIA Institute on Character.
→ Praktischer Leitfaden zur Stärkung und Nutzung der eigenen Charakterstärken.
Bücher zu Neugier, Lernen und Kreativität
Kashdan, T. B. (2009). Curious? Discover the Missing Ingredient to a Fulfilling Life. HarperCollins.
→ Wie Neugier als Schlüssel zu persönlichem Wachstum und Glück dient.Duckworth, A. (2016). Grit: The Power of Passion and Perseverance. Scribner.
→ Warum Ausdauer und Leidenschaft wichtiger sind als Talent und wie man seine intrinsische Motivation stärkt.Kaufman, S. B., & Gregoire, C. (2015). Wired to Create: Unraveling the Mysteries of the Creative Mind. Perigee Books.
→ Einblicke in die Psychologie der Kreativität und deren Verbindung zu Neugier und Lernen.
Psychologie der Fotografie & Emotionen durch Bilder
Suler, J. (2013). Photographic Psychology: Image and Psyche. John Suler.
→ Wie Fotografien Emotionen hervorrufen und unsere Wahrnehmung beeinflussen.Barrett, L. F. (2017). How Emotions Are Made: The Secret Life of the Brain. Houghton Mifflin Harcourt.
→ Wie unser Gehirn Emotionen konstruiert und welchen Einfluss visuelle Reize darauf haben.Van Houdenhove, B. (2015). The Art of Seeing: The Dynamics of Photography and Visual Literacy. Routledge.
→ Wie Fotografien als psychologisches Werkzeug zur Selbstreflexion und Emotionsauslösung genutzt werden können.